mechanische Kreislaufunterstützung

Herzchirurgie

Direktor:
Prof. Dr. med. Michael Weyand

Kunstherz

Die Bezeichnung Kunstherz erweckt den Eindruck, dass statt des eigenen erkrankten Herzen ein künstliches Herz eingepflanzt werden kann. Tatsächlich handelt es sich bei den "Kunstherzen" um Unterstützungssysteme, die in der Regel nur eine der beiden Herzkammern unterstützen. Die Entwicklung von echten künstlichen Herzen verlief bisher unbefriedigend.

Ein Unterstützungssystem - im englischen "ventricular assist device" daher die Abkürzung VAD – dient dazu, bei einer Herzmuskelschwäche als zusätzliche Pumpe das schwer erkrankte Herz zu entlasten und den Kreislauf aufrechtzuerhalten.

Man kann Linksherzunterstützungssysteme (LVAD) und Rechtsherzunterstützungssysteme (RVAD) unterscheiden, in Extremfällen müssen beide Herzkammern unterstützt werden, dann spricht man von biventrikulären Unterstützungssystemen (BiVAD).

Wann wird ein Kunstherz eingesetzt?

Bei Patienten mit einer Herzmuskelschwäche, die soweit fortgeschritten ist, dass eine medikamentöse Behandlung nicht mehr ausreicht, gilt die Herztransplantation als Mittel der Wahl. Zahlreiche Voruntersuchungen müssen durchgeführt werden, ehe eine Anmeldung zur Transplantation erfolgen kann. Die Wartezeit bis zur Transplantation ist erheblich. Häufig verschlechtert sich die Herzfunktion während dieser Zeit weiter, so dass ein Patient möglicherweise an seiner Herzerkrankung verstirbt, ehe ein geeignetes Spenderorgan für ihn zur Verfügung steht.

Dann müssen Methoden eingesetzt werden, mit denen die Zeit bis zur Transplantation überbrückt werden kann. Dazu gehört das "Kunstherz" abgekürzt VAD (s.o.).

Das Kunstherz dient in aller Regel zur Überbrückung der Wartezeit bis zur eigentlichen Herztransplantation.

Wie funktioniert ein Kunstherz?

In der Regel ist die linke Herzkammer, so schwer erkrankt, dass sie unterstützt werden muss (LVAD).

Dazu wird das Blut über die Spitze des Herzmuskels durch ein elastisches Kunststoffrohr in die eigentliche Pumpkammer des Unterstützungssystems geleitet. Diese Pumpkammer wird in die Bauchdecke zwischen die Bauchwandmuskulatur unterhalb des Zwerchfells eingesetzt. Die Füllung der Pumpkammer und der Auswurf des Blutes werden elektronisch überwacht.

Die Steuerung erfolgt über ein Kabel, das durch das Unterhautfettgewebe aus der Haut geleitet und an eine zentrale Steuereinheit angeschlossen wird. Über ein zweites Kunststoffrohr wird das Blut in die große Körperschlagader gepumpt. Herz und Pumpe arbeiten parallel und unabhängig.

Dadurch, dass das Herz nur noch einen Teil des Blutes selbst in den Körper pumpen muss, wird es entlastet und die übrigen Organe erhalten durch die zusätzliche Pumpe eine verbesserte Blutzufuhr.

Wie schnell muss ein Kunstherz eingesetzt werden?

Oft kommen Patienten mit einem akuten Herzversagen, (z.B. aufgrund einer schweren Herzmuskelentzündung) in die Klinik.

Wenn eine medikamentöse Stabilisierung des Kreislaufs nicht mehr möglich ist, wird Kontakt mit einem herzchirurgischen Zentrum aufgenommen, welches Kunstherzen einsetzen kann.
Der Patient ist zu diesem Zeitpunkt bereits unter einer Narkose mit hoch dosierten Medikamenten zur Kreislaufaufrechterhaltung. Oft ist in Folge des Kreislaufversagens schon ein Funktionsverlust der Nieren eingetreten.

Wird ein solcher Patient dann allmählich auf der Intensivstation wieder wach, muss er realisieren, dass eine Maschine in seinem Körper die Kreislauffunktion aufrecht erhält.

Wie gewöhnt sich ein Patient an ein Kunstherz?

Die Implantation eines LVADs ist ein Eingriff, der an einem erheblich erkrankten Patienten durchgeführt wird. In der Regel sind bereits zusätzliche Organbeeinträchtigungen aufgetreten, die das Risiko gravierend erhöhen. Entsprechend lang ist die Erholungsphase nach einer solchen Implantation. Behandlungen auf der Intensivstation von oft mehreren Wochen sind die Regel.

Der Patient muss anschließend auf der allgemeinen Pflegestation unter ständiger Aufsicht und Anleitung der Krankengymnastik mobilisiert werden, ein langer Weg, da häufig eine monatelange Bettlägerigkeit vorausging.

Zusätzlich muss sich der Patient damit vertraut machen, dass jetzt aus seinem Körper ein Stromkabel kommt, über welches er an einen Computer angeschlossen werden kann. Auch die Bedienung dieses Computers muss und kann erlernt werden.

Im Lauf von Wochen gewöhnt sich der Patient an diese Situation, er erlernt den Umgang mit den Geräten und wird selbständiger. Das Ziel ist es, sowohl dem Patienten als auch seinen Angehörigen die Sicherheit zu geben, dass sie mit dem Gerät zu Hause allein bleiben können. Meist werden zunächst Versuche für einige Stunden unternommen, der Patient kommt dann wieder in die Klinik zurück und kann über seine Erfahrungen berichten. Zu Hause wird dann eine weitere Kontrolleinheit eingerichtet, über die der Patient bestimmte Daten des Gerätes erfassen kann. Das alles ist ein Lernprozess, der mehrere Wochen dauert. Während dieser Zeit erhält er die intensive Unterstützung der Klinik.

Was geschieht mit dem Patienten nach der Entlassung?

Nach der stationären Entlassung wird der Patient in regelmäßigen Abständen in seiner Klinik untersucht.

Je nach geplantem Einsatz eines Kunstherzes kann

  • das Ziel bleiben, die Wartezeit bis zur Herztransplantation zu überbrücken. Der Patient bleibt, auch wenn er sich zu Hause mit dem Gerät wohl fühlt, auf der Warteliste zur Transplantation. Liegt ein geeignetes Spenderorgan vor, wird er einbestellt. (Bridge-to Transplantation)
  • das Kunstherz bis zur Erholung einer akuten Herzerkrankung im Körper des Patienten verbleiben, bis selten eine Explantation des Geräts in Erwägung gezogen werden kann. (Bridge-to Recovery)
  • eine dauerhafte Unterstützung des Körperkreislaufes mit der mechanischen Pumpe notwendig sein. (Alternative to Transplantation/ Destination Therapy)
 
 
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Zusammenfassung