Die Vorhofablation: Chirurgische Möglichkeiten der Behandlung des Vorhofflimmerns

Herzchirurgie

Direktor:
Prof. Dr. med. Michael Weyand

Die Erkrankung

"Vorhofflimmern" bezeichnet einen unkoordinierten Arbeitsablauf der Herzvorkammern, die das Blut dabei nicht wie beim Gesunden im Rhythmus der Hauptkammern voranpumpen, sondern mit ihrem Muskelgewebe ungeordnet "flimmern". Da die Hauptkammern des Herzens dadurch das Blut nicht mehr aktiv zugepumpt bekommen, leidet auch ihre Leistung darunter, so dass Patienten mit Vorhofflimmern eine bis zu einem Drittel reduzierte Herzpumpleistung aufweisen können. Zudem ist der Blutfluss in den Vorhöfen ungeordnet und verlangsamt. Die Betroffenen haben dadurch ein gesteigertes Risiko, Blutgerinnsel zu bilden, die mitunter in die Hirngefäße geschwemmt werden und dort Schlaganfälle verursachen. Zur Prophylaxe gegen Schlaganfälle erhalten die Patienten blutgerinnungshemmende Medikamente, in Deutschland zur Zeit meistens den Vitamin-K-Gegenspieler Marcumar® oder sogenannte neue orale Antikoagulationshemmer (NOAK), wodurch zwar das Schlaganfallrisiko gesenkt wird, jedoch die entsprechenden Medikamentennebenwirkungen in Kauf genommen werden müssen.

Beim Herzgesunden steigt mit wachsender körperlicher Belastung die Herzfrequenz. Dieser Mechanismus ist beim Patienten, der unter Vorhofflimmern leidet, außer Kraft gesetzt, da das steuernde Zentrum, der sogenannte Sinusknoten, keine Kontrolle mehr über die Herzfrequenz hat. Die fehlende Frequenzanpassung trägt gleichfalls zur Einschränkung der körperlichen Belastbarkeit bei.

Konventionelle Therapie

Das Vorhofflimmern kann in vielen Fällen mit Medikamenten unter Kontrolle gebracht werden, die entweder den Rhythmus aller Herzkammern wieder stabilisieren oder aber wenigstens den Rhythmus der Hauptkammern - auch bei Belastung – normalisieren. Sollten die medikamentösen Versuche nicht genügen, wird in einigen Fällen eine Elektrokardioversion unternommen, wobei dem Herzen unter einer Kurznarkose ein kurzer durch die Haut hindurch verabreichter Stromstoß versetzt wird, der die kreisenden Erregungen, die dem Vorhofflimmern zugrunde liegen, unterbricht und somit in einigen Fällen den normalen Grundrhythmus (Sinusrhythmus) wiederherstellt. Die Erfolgsrate auf lange Sicht ist jedoch relativ gering; Wiederholungen werden immer wieder und immer öfter erforderlich. In fast jedem Falle erhalten die Patienten, die dauerhaftes oder gelegentliches (intermittierendes) Vorhofflimmern zeigen, die genannte gerinnungshemmende Therapie.

Chirurgische Vorhofablation

Für Patienten, deren Vorhofflimmern mit den genannten nicht-operativen Verfahren nicht unter Kontrolle gebracht werden kann und die belastende Symptome verspüren, bieten wir die Chirurgische Vorhofablation an. Hierbei wird an bestimmten Stellen der Herzvorkammern mittels kontrollierter Energieeinwirkung das Gewebe erwärmt und damit in seinen elektrischen Eigenschaften dauerhaft in der Weise verändert, dass die kreisenden elektrischen Erregungen, die dem Vorhofflimmern zugrunde liegen, in den manipulierten Geweben eine Barriere finden und das Kreisen sich nicht weiter selbst unterhalten kann. Zudem werden die Regionen der Herzvorkammern, die typischerweise die kreisenden Erregungen in Gang setzen, gezielt isoliert.

Das Risiko von Schlaganfällen wird weiter verringert durch den chirurgischen Verschluss des linken Herzohrs: das linke Herzohr ist eine Ausstülpung aus der linken Herzvorkammer, in welcher sich gerne Gerinnsel festsetzen, welche bei Wiedereintreten des Sinusrhythmus losgelöst werden und damit Gefäßverschlüsse (Infarkte) an jeglicher Stelle im Körper verursachen können.

Mittels dieser sogenannten Chirurgischen Vorhofablation erzielt man bereits wenige Wochen nach dem Eingriff bei einem Großteil der behandelten Patienten wieder eine regelrechte Transportfunktion der Herzvorkammern, so dass die Pumpleistung des gesamten Herzens damit in der Regel wieder deutlich steigt. Zudem kann sich die Herzfrequenz bei den meisten mittels Chirurgischer Vorhofablation behandelten Patienten nach dem Eingriff wieder der körperlichen Belastung anpassen; das häufig als unangenehm empfundene Herzrasen bleibt zuallermeist ebenfalls aus. In zahlreichen Studien konnte belegt werden, dass das Risiko eines Schlaganfalls, das bei den Patienten mit Vorhofflimmern ja grundsätzlich erhöht ist, durch die Vorhofablation mit Verschluss des linken Herzohrs deutlich vermindert wird.

Das Verfahren bieten wir hauptsächlich als Zusatzeingriff zu anderen Herzeingriffen, vor allem beispielsweise Mitralklappeneingriffen an. Bei entsprechender Indikation führen wir Chirurgische Vorhofablationen auch minimalinvasiv als separaten Eingriff durch. Dabei wird die Ablation des linken Vorhofs endoskopisch über wenige kleine Schnitte am Brustkorb durchgeführt. Der Eingriff ist dadurch für den Patienten geringstmöglich belastend, die Erholung von der Operation entsprechend rasch.

Im Laufe des ersten Jahres nach dem Eingriff wird man ein Langzeit-EKG und eine Herzultraschalluntersuchung durchführen, um zu bestätigen, dass der Sinusrhythmus wiederhergestellt ist. Meist ist dies der Fall, so dass die Marcumarisierung in der Regel beendet und auch die medikamentöse, meist nebenwirkungsreiche antiarrhythmische Therapie beendet werden kann.


 
 
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Zusammenfassung